Medienberichte


Hotelierverband ruft zum Widerstand gegen Fluglärm auf

BrienzDer neu vorgestellte Sachplan Militär führe zu einer massiven Zunahme des Fluglärms in der Region, befürchtet der Hotelierverein Brienz. Er ruft zum Widerstand auf.

Der Hotelierverein Brienz befürchtet unter anderem, dass allfällige neue Schweizer Kampfjets sogar noch lauter seien als die aktuellen F/A-18.

Der Hotelierverein Brienz befürchtet unter anderem, dass allfällige neue Schweizer Kampfjets sogar noch lauter seien als die aktuellen F/A-18. Bild: Fritz Lehmann

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Der Hotelierverein Brienz übt harsche Kritik am Sachplan Militär 2017. Dieser werde zu einer massiven Zunahme des Fluglärms in der Region Brienz-Oberhasli führen. Der Sachplan sieht vor, dass die Flugplätze Sion und ­Buochs geschlossen werden. Es bliebe also nur noch Payerne, Emmen und Meiringen.

Bundesrat Guy Parmelin habe in seiner Botschaft mitgeteilt, dass weiterhin mit Tiger geflogen und der F/A-18 nachgerüstet werde. Weiter sei der Kauf eines neuen Kampfjets unumgänglich. Dieser würde gemäss dem Hotelierverein den F/A-18 an Lautstärke übertreffen. Gemäss dem Verein müsse man mit insgesamt fünf Staffeln rechnen.

Dies würde jährlich 22 500 Flugbewegungen bedeuten. Emmen würde sich aber weigern, mehr als 800 zu übernehmen, und auch in Payerne seien nicht mehr als 7900 möglich. «Welcher Flugplatz wird diese zusätzlichen rund 9000 lärmintensiven Be­wegungen übernehmen?», fragt der Hotelierverein. «Meiringen bleibt als einziger Standort ­übrig.»

Weiter halte der Sachplan fest, dass an 365 Tagen rund um die Uhr mit den «lautstarken F/A-18 und deren Nachfolgern» geflogen werde. «Tag und Nacht Einsätze ab Unterbach?» Dazu meint der Hotelierverein schlicht: «Unmöglich. Nicht durchführbar.»

Aufruf zur Mitwirkung

«Wir müssen uns wehren.» Der Tourismus werde rapid abnehmen, Arbeitsplätze verschwinden, die Liegenschaften an Wert verlieren. Der Verein ruft die Öffentlichkeit dazu auf, schriftlich zum neuen Sachplan Stellung zu nehmen. Dies ist noch bis zum 5. Dezember möglich.

In seiner Mitteilung kritisiert der Hotelierverein auch den Kanton. Dieser habe die Gemeinden nicht auf die laufende Mitwirkung aufmerksam gemacht. (sgg/pd)


UNTERBACH9. MAI 2016

Fluglärmgegner wollen mit den richtigen Zahlen operieren

Bei der Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm wartet man immer noch auf das Plangenehmigungsverfahren für den Flugplatz Unterbach, um auf dem Rechtsweg gegen den Lärm vorgehen zu können. Inzwischen hoffen die Lärmgegner auch auf das Postulat von Nationalrat Jürg Grossen.
von Beat Kohler
Im Streit um den Lärm, den die F/A-18 verursachen, verschwimmt die Richtigkeit der Fakten in der Hitze des Gefechts manchmal.
Im Streit um den Lärm, den die F/A-18 verursachen, verschwimmt die Richtigkeit der Fakten in der Hitze des Gefechts manchmal.Foto: Archiv

Wenn zwei sich streiten, nehmen sie es oftmals mit den Fakten nicht so genau. Langfristig kann das für die eine oder die andere Partei einen gewichtigen Nachteil haben – die Glaubwürdigkeit leidet. Dies selbst, wenn Sympathisanten der einen oder anderen Seite mit falschen Zahlen oder Angaben hantieren. So werden beispielsweise in der Diskussion um den Fluglärm rund um den Militärflugplatz Meiringen in Leserbriefen und Artikeln immer wieder unstimmige Angaben und Zahlen verwendet. «Das nützt der Opposition nichts. Es schadet nur», hält die Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in einem Schreiben fest. Wenn selbst «besonnene Leute aus der Regionalpolitik» mit falschen Zahlen hantierten, sei es umso schwieriger, Anliegen glaubwürdig zu vertreten, halten der ehemalige Präsident der IGF, Emil Feuz, und der heutige Präsident, Simon Ernst, fest. Deshalb sei es auch an der IGF im Umgang mit den Zahlen immer wieder zu berichtigen.

 

Nicht mehr als 2000 Starts

Wenn in Leserbriefen beispielsweise behauptet wird, dass in Unterbach 5000 Nachbrennerstarts jährlich stattfinden, ist das wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass im Entwurf zum Objektblatt für den Militärflugplatz Unterbach 5000 Flugbewegungen für Jets, 1200 für Propellerflugzeuge und 1000 für Helikopter festgehalten sind. Ein Start und eine Landung sind bereits zwei Bewegungen. Es könnten also maximal 2500 Starts mit Jets vorgenommen werden. Davon gehen maximal 2000 auf den F/A-18 zurück.

 

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Wie die Pressestelle der Luftwaffe auf Anfrage erklärt, generierten die F/A-18 im vergangenen Jahr genau 4000 Flugbewegungen und damit 2000 Starts. Im 2014 waren es 3840 Bewegungen. Hinzu kommen im letzten Jahr 494 Tiger-Bewegungen. Mit einem Total von 6454 respektive 6024 Flugbewegungen blieb die Luftwaffe nach eigenen Angaben in beiden Jahren unter dem möglichen Maximum von 7200.

 

Wie oft genau beim Start der F/A-18 der Nachbrenner zur Unterstützung eingeschaltet wird, darüber führe man keine Aufzeichnungen, erklärt die Luftwaffe. Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt wird der Nachbrenner über der Piste zur Unterstützung immer eingeschaltet, sobald der Jet aber abhebt, wieder ausgeschaltet. Davon betroffen sind also in erster Linie die direkten Anwohner der Piste in Unterbach und Brienzwiler.

 

Warten auf das nächste Verfahren

Die richtigen Fakten beisammen zu haben, ist für die Lärmgegner vor allem auch dann wichtig, wenn sie rechtlich gegen den Lärm vorgehen wollen. 2010 reichte die IGF eine Lärmklage beim VBS ein. Diese enthielt auch eine Klage gegen die Schadstoffbelastung, welche nach neuen Messungen aber hinfällig ist. Nachdem die Lärmklage nicht behandelt wurde, überlegte sich die IGF 2015 eine Klage wegen Rechtsverweigerung. Von dieser habe man aber nach «reiflicher Überlegung auf Anraten des Rechtsanwaltes» abgesehen, wie die IGF erklärt. Sie will das Betriebsbewilligungsverfahren für den Flugplatz abwarten und dann mit einer Beschwerde wieder auf den Rechtsweg einschwenken.

 

Gemäss der Webseite des VBS ist geplant, dass das Objektblatt zusammen mit dem Programmteil des neuen Sachplans Militär dem Bundesrat zum Entscheid vorzulegen ist. Im Anschluss daran werde das VBS für den Flugplatz Meiringen ein Plangenehmigungsverfahren durchführen. In diesem Verfahren werde das Betriebsreglement mit den Flugbetriebszeiten und ein «Gesuch der Luftwaffe um eine Ausnahmebewilligung für das Überschreiten der Lärmgrenzwerte» öffentlich aufgelegt. Den Betroffenen stehen Einsprache- und Beschwerderechte zu. Gemäss einem Schreiben des VBS an die IGF sind Anhörung der Behörden und Mitwirkung der Bevölkerung dazu im laufenden Jahr vorgesehen.

 

Hoffen auf das Postulat

Neue Bewegung in die Diskussion rund um den Lärm, den die Jets in Unterbach verursachen, könnte ein Postulat von Nationalrat Jürg Grossen bewirken (diese Zeitung berichtete). Grossen fordert in seinem Vorstoss eine Überprüfung der 30 Jahre alten Lärmschutzverordnung. Diese sieht nämlich vor, dass bei Militärflugplätzen nicht Einzelereignisse, sondern theoretische Durchschnittswerte aufgrund der Flugbewegungen berücksichtigt werden. «Diese Werte sind für Flugzeuge des Typs F/A-18 flächendeckend 40 Dezibel tiefer als die maximalen Einzelereigniswerte», hält Grossen in seinem Postulat fest. Diese Ermittlungsart von Fluglärm sei wissenschaftlich überholt.

 

Einzelereignisse sind laut

Wie hoch die Belastung durch Einzelereignisse beim Flugplatz ist, ist nicht ganz einfach zu beantworten, wie eine Anfrage dieser Zeitung bei Empa, Abteilung Akustik, zeigt. Die gemessenen Werte stimmen nur unter vorgegebenen Bedingungen. «Bei einem geradlinigen Überflug in einem kürzesten Abstand von 305 Metern beträgt die Schallenergie, (…), beim Immissionsort rund 121 Dezibel», schreibt die Empa. Je nach Abflugmanöver und Distanz zur Flugbahn könne die verursachte Schallenergie von diesen Werten deutlich abweichen, so die Empa weiter. In der Nähe des Flugplatzes Meiringen verringere sich die Schallenergie eines realistischen Startmanövers um rund 0,7 Dezibel pro 100 Meter und weiter weg um rund 0,4 Dezibel pro 100 Meter. Doch auch diese Werte ändern sich je nach Situation. Angesichts dieser Werte ist klar, dass der Einbezug von Einzelereigniswerten in der Lärmschutzverordnung Auswirkungen auf den Jetbetrieb hätte.


UNTERBACH26. FEBRUAR 2016

«Der Fluglärm wird weiter zunehmen»

Eine Interpellation von SP-Nationalrätin Nadine Masshardt forderte Fragen vom Bundesrat bezüglich des Fluglärms im Oberhasli und der Region Brienz. Die Antwort vom Bundesrat wies darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit des Flugplatzes nicht gefährdet werden soll und deshalb der Flugbetrieb nicht reduziert werde. Damit ist Werner Ballmer, Sachverständiger in Aviatikfragen, nicht einverstanden.

 

Was sagen Sie zur Antwort des Bundesrates?

Werner Ballmer: Trotz jahrelangen Gesprächen in verschiedenen Gremien ist offensichtlich, dass der Bundesrat den Kern der Frage des Kampfjetfluglärms immer noch nicht erkannt hat. Die Ablösung der Tigerflugbewegungen durch die F/A-18 hatte auf Alpenflugplätzen wie Meiringen eine massive Zunahme des Fluglärms zur Folge. Unbestritten ist gemäss EMPA (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Anm. d. Red.) und VBS, dass die Starts mit dem F/A-18 fünfmal und die Landeanflüge 32-mal mehr Lärm verursachen als die Flugbewegungen mit dem Tiger.

 

Hat der Bundesrat falsche Angaben gemacht?

Vor allem erstaunt, dass der Bundesrat mit dem Argument Wirtschaftlichkeit begründet, weshalb der offensichtliche Planungsfehler der heutigen Stationierung der F/A-18 nicht korrigiert werden kann. Ein Flugplatz ist eine teure Immobilie mit kostspieliger Infrastruktur. Daher werden auf den Nato-Plätzen 50 bis 70 Maschinen betrieben, um wirtschaftlich, oder besser, effizient und kostenoptimiert zu operieren. Ein Militärflugplatz mit zehn Flugzeugen, wie der Militärflugplatz Meiringen, wird nie wirtschaftlich betrieben werden können.

Der ehemalige Korpskommandant Keckeis hat mehrfach gesagt, dass eigentlich alle drei F/A-18-Staffeln in Payerne zusammengefasst werden müssten, insbesondere, wenn der Gripenkauf abgelehnt werde. Meiringen und Sion könnten so als Ausweich- und WK-Flugplätze tourismusfreundlich in der Zwischensaison betrieben werden.

 

Wie könnte man die Situation ändern? Ist wieder eine Interpellation geplant?

Die langjährigen und berechtigten Klagen der Anwohner und der Vertreter des Tourismus müssen endlich im Rahmen der gegenwärtig laufenden Überarbeitung des Stationierungskonzeptes berücksichtigt werden. Sollte das nicht der Fall sein, bleibt den Betroffenen nicht anderes übrig, als sich mit allen demokratischen Mitteln für eine Fluglärmreduktion auf ein zumutbares Mass einzusetzen.

 

Was hat der Fluglärm für einen Einfluss auf die Region. Wie sieht es mit dem Tourismus aus?

Flugmeetings mit Hochleistungskampfjets sind attraktiv und begeistern Zuschauer an einem Wochenende im Jahr in grosser Zahl. Nur, wenn sie sogar diese Besucher fragen, ob sie sich dieses Spektakel fast täglich vor ihrer Haustüre oder auf jeder Bergwanderung erleben möchten, dann werden das nur sehr wenige positiv beantworten. Nochmals auf den Punkt gebracht, Kampfjet-Starts und -Landungen auf einem Alpenflugplatz sind in der Zwischensaison möglich. Während der Hochsaison geht es nicht, weil ein sehr grosser Teil der Gäste, vor allem wenn sie länger in der Feriendestination bleiben, das nicht wollen, und wenn es so bleibt, auf andere Ferienorte ausweichen werden, was heute bereits oft passiert.

 

Bundesrat Guy Parmelin will neue Kampfjets, der Gripen könnte wieder ein Thema werden. Was wären die Folgen?

Noch nicht ganz klar ist, ob es schlussendlich eine Ersatzbeschaffung für den F/A-18 oder für Teile der Tigerflotte werden soll. Mit Sicherheit muss in beiden Fällen davon ausgegangen werden, dass der Fluglärm weiter zunehmen wird. Der zur Diskussion stehende F-35 erzeugt Spitzenlärmwerte von bis zu 130 Dezibel verglichen mit den 115 bis 120 Dezibel des F/A-18.

Provokativ formuliert heisst das, würde man zwei neue Staffeln F-35 zusätzlich zur heutigen F/A-18-Staffel in Meiringen stationieren, so wird der Fluglärm nicht verdreifacht, sondern verzehnfacht. Dennoch muss man feststellen, ist der F-35 wahrscheinlich das beste gegenwärtig erhältliche Kampfflugzeug. Da ist das Dilemma, das es mit dem neuen Stationierungskonzept aufzulösen gilt.

 

Zur Person

Werner Ballmer aus Magden im Kanton Aargau ist ETH-Ingenieur und arbeitet als Unternehmensberater und professioneller Verwaltungsrat. Er ist verheiratet mit der Tochter eines Brienzers, deren Familie das Seehotel Bären besitzt. Er war über 30 Jahre Pilot und zudem 22 Jahre Präsident des Verbandes der Schweizer Flugplätze. Aufgrund dieser Erfahrungen berät er den Brienzer Hotellierverein. Er war ausserdem mehrere Jahre Mitglied des Kontaktgremiums Flugplatz Meiringen.

 

 


BERN/UNTERBACH9. MAI 2016

Bundesrat lehnt das Lärm-Postulat von Grossen ab

Der Bundesrat erachtet das Postulat von Jürg Grossen, das die Überprüfung der Lärmschutzverordnung fordert, als erfüllt und lehnt es ab. Die wissenschaftlichen Grundlagen würden gegenwärtig im Rahmen eines Forschungsvorhabens überprüft.
von Beat Kohler
Dank einer Nationalfondsstudie soll die «Störwirkung von Militärfluglärm» neu abgeleitet werden können.
Dank einer Nationalfondsstudie soll die «Störwirkung von Militärfluglärm» neu abgeleitet werden können.Foto: Beat Kohler

«Die 30-jährige Lärmschutzverordnung für Militärflugplätze weist offensichtlich Mängel auf», schrieb Nationalrat Jürg Grossen in seinem Postulat an den Bundesrat, mit dem er eine Prüfung des entsprechendes Anhanges dieser Verordnung forderte, weil diese nicht wirklich vor schädlichen Einwirkungen schütze. In einer Stellungnahme vom 4. Mai hat der Bundesrat das Postulat beantwortet und beantragt dessen Ablehnung.

 

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Neue Untersuchungen im Gang

Grossen begründete sein Anliegen in erster Linie damit, dass in der Verordnung keine Maximalwerte für einzelne Flugbewegungen beim Fluglärm auf Militärflugplätzen gelten. Diese Ermittlungsart von Fluglärm sei wissenschaftlich überholt. Wie der Bundesrat nun in seiner Antwort festhält, werden die wissenschaftlichen Grundlagen zur Störwirkung von Lärm gegenwärtig im Rahmen eines vom Nationalfonds unterstützten Forschungsvorhabens überprüft. «Die Arbeiten werden durch ein Konsortium aus Wissenschaftlern der Universität Basel, des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts und der Empa durchgeführt und von der Eidgenössischen Kommission für Lärmbekämpfung sowie dem Bundesamt für Umwelt unterstützt», schreibt der Bundesrat. Das Projekt sei bis Ende 2016 terminiert, und es könne davon ausgegangen werden, dass die Projektergebnisse im 2017 öffentlich zugänglich sein werden. «Von diesem Projekt wird erwartet, dass sich auch Aussagen zur Störwirkung von Militärfluglärm ableiten lassen», so der Bundesrat weiter. Deshalb erachtet er das Anliegen des Postulates als bereits erfüllt.

 

Landesverteidigung geht vor Lärmschutz

In seinen grundsätzlichen Ausführungen hält der Bundesrat fest, dass zwar das Umweltschutzgesetz festhält, dass die Immissionsgrenzwerte so festzulegen sind, dass «die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich gestört ist». Andere Kriterien spielten erst «bei der Festlegung von konkreten Massnahmen zur Lärmbegrenzung» eine zentrale Rolle. Der Bundesrat verweist explizit darauf, dass das Umweltschutzgesetz es ermöglicht, dass bei Militärflugplätzen im Interesse der Landesverteidigung auf «emissionsbegrenzende Massnahmen» verzichtet wird. Als Folge davon könne die Lärmbelastung über den Grenzwerten liegen. «Das Gesetz nimmt so Rücksicht auf öffentliche Interessen, die den Lärmschutz überwiegen können», schreibt der Bundesrat.

 

Postulat aufrecht erhalten

«Die Begründung ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar, und ich bin sehr froh, dass etwas geht in diese Richtung», erklärt Grossen in einer ersten Reaktion auf den Entscheid des Bundesrates. Was er nicht verstehe, sei die bundesrätliche Ablehnung des Postulats. «Er könnte es mit derselben Begründung ebenso annehmen und damit mein Anliegen ernst nehmen», so Grossen. Er befürchtet, dass der Bundesrat dem Anliegen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt, und will deshalb das Postulat aufrecht erhalten. «Die Debatte und die Abstimmung dazu wird leider wohl noch mehrere Monate auf sich warten lassen», so Grossen.


UNTERBACH30. OKTOBER 2015

Keine Veränderung in Sicht

Das regionale Kontaktgremium Flugplatz Meiringen hat sich mit Vertretern des VBS und der Luftwaffe zum jährlichen Austausch getroffen. Aufgrund der Verzögerung des politischen Prozesses sind für den Flugbetrieb bis 2020 keine Veränderungen absehbar.

Die Revision des Militärgesetzes verzögert sich. Am letztjährigen Kontaktgremium sah die Zeitplanung ein Inkrafttreten per 1. Januar 2017 vor. Nach der aktualisierten Zeitplanung wird das Gesetz voraussichtlich ein Jahr später in Kraft gesetzt. Das Militärgesetz ist die Grundlage für die Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee und somit des Stationierungskonzepts. Bezüglich des Militärflugplatzes Meiringen ist davon auszugehen, dass es bei 4000 bis 5000 Flugbewegungen pro Jahr bleibt.

Im Weiteren präsentierte der neue Flugplatzkommandant, Oberst im Generalstab Reto Kunz, den Belegungsplan für das Jahr 2016. Insgesamt sind 15 Wochen ohne Flugbewegungen vorgesehen, davon acht Wochen im Sommer (vier Wochen Pistensperre und vier Wochen Ausweichflugplatz).

Die Mitglieder des Kontaktgremiums sehen den regelmässigen Dialog zwischen dem VBS, der Luftwaffe und der Bevölkerung als wichtig und sinnvoll an. Das Kontaktgremium trifft sich deshalb weiterhin mindestens einmal pro Jahr.

 

UNTERBACH10. MÄRZ 2015

Fluglärm-Gegner wollen ans Bundesverwaltungsgericht

Die Lärmklage aus dem Jahr 2010 wurde vom VBS bis jetzt nicht beantwortet und die IGF ständig vertröstet. Die Lärmproblematik in Unterbach soll nun mit juristischem Druck wieder auf den Tisch kommen.
von Marco Wölfli
Die Fluglärm-Gegner möchten vor allem die Starts und Landungen der lauten F/A-18-Jets begrenzen.
Die Fluglärm-Gegner möchten vor allem die Starts und Landungen der lauten F/A-18-Jets begrenzen.Foto: Keystone, Peter Schneider

Der Jahresbeginn auf dem Flugplatz Meiringen war intensiv. Der Wiederholungskurs fand statt, und die Tiger-Staffel trainierte während sieben Wochen. Zudem starteten die Kampfjets in Meiringen, welche den Luftraum über Davos während des WEF sicherten. Mittlerweile herrscht auf dem Flugplatz Meiringen Normalbetrieb. Das heisst die F/A-18-Jets starten und landen täglich von 8.00 bis 12.00 und von 13.30 bis 17.00 Uhr. Noch bis Ende März finden einmal pro Woche Nachtflüge statt. Total soll die Anzahl der Flugbewegungen auch dieses Jahr nicht mehr als 5000 betragen.

 

Keine Antwort nach Gripen-Nein

Für die Fluglärm-Gegner von der IGF (Interessengemeinschaft für weniger Fluglärm in der Alpenregion) ist das naturgemäss viel zu viel. Bereits Ende 2010 reichte die IGF eine Lärmklage beim VBS ein und forderte eine Reduktion auf 2500 Flugbewegungen pro Jahr. Die IGF störte sich insbesondere an den lauten F/A-18-Kampfjets, die nachweislich mehr Lärm verursachen als die Tiger-Jets. Auf ihre Lärmklage haben die Fluglärm-Gegner zwar eine Empfangsbestätigung erhalten, allerdings gab das VBS bis heute keine konkrete Stellungnahme ab. Die IGF will sich nun nicht länger gedulden. «Das VBS vertröstete uns bereits 2012 bis nach der Gripen-Abstimmung. Das war für uns nachvollziehbar. Doch auch danach tat sich nichts», sagt der Unterbächler Emil Feuz, der im IGF-Vorstand sitzt.

 

Klage in den nächsten Monaten

Noch im letzten Herbst, fast ein halbes Jahr nach der verlorenen Gripen-Abstimmung, doppelte der Anwalt der IGF beim Verteidigungsdepartement nach, erhielt aber keine Antwort. Die Strategie des Aussitzens und Verzögerns ärgert Feuz: «Für einen Rechtsstaat ist das ein unhaltbarer Zustand.» Der IGF reicht es nun. Anlässlich ihrer letzten Generalversammlung haben die Fluglärm-Gegner beschlossen, mit härteren Bandagen zu kämpfen. «Wir werden beim Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverweigerungsklage einreichen», sagt Feuz gegenüber dieser Zeitung. In den nächsten Monaten soll ein Anwalt die Klage im Wortlaut formulieren und einreichen. Mit dieser Rechtsverweigerungsklage will die IGF auf juristischem Weg erreichen, dass das VBS auf Druck des Bundesverwaltungsgerichts eine Stellungnahme abgeben muss. «Unser Ziel ist es, dass wir die Klage bis im Sommer einreichen», sagt Feuz. Ob das Gericht die Klage überhaupt annimmt und wenn ja, wann es entscheidet, ist noch offen. Feuz gibt sich aber kämpferisch, behält sich alle Optionen offen: «Bei einem negativen Entscheid bliebe uns noch der Gang ans Bundesgericht.»

 

Neue Jets sind laut

Das neu entfachte Engagement der Flugplatz-Gegner ist auch darauf zurückzuführen, dass sie künftig noch mehr Fluglärm befürchten. In einer Pressemitteilung schreibt die IGF, dass durch die Schliessung des Flugplatz Sion in Meiringen mit mehr Flugbewegungen zu rechnen ist. Auch die Anschaffung von neuen Kampfflugzeugen ist trotz des Gripen-Neins nicht vom Tisch. Mittelfristig werden die Tiger aus dem Verkehr gezogen, und irgendwann haben auch die F/A-18 das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Neue Jets würden auch mehr Lärm bedeuten. Im Gegensatz zur zivilen Fliegerei, wo die Flugzeuge immer leiser werden, ist bei den Kampfjets das Gegenteil der Fall. So sind die neueren F/A-18-Flieger auch lauter als die Tiger. Zudem starten Erstere oft mit Nachbrenner, was noch mehr Lärmemissionen verursacht.

 

Treffen diese Zukunfsszenarien tatsächlich ein, wäre die Chance gross, dass Meiringen stärker als andere Flugplätze darunter leiden würde. Die Fluglärm-Gegner sind im Oberhasli weniger stark, haben im Vergleich mit anderen Regionen weniger Rückhalt aus der Politik. Für das VBS ist es deshalb eine bequeme Lösung, das Lärm-Dossier in Meiringen auf die lange Bank zu schieben. Das VBS war für eine Stellungnahme innert nützlicher Frist nicht erreichbar.